Lectio Divina Gebet (optional)
- Lies Johannes 8,3-11.
- Meditiere über die Worte.
- Rede mit Christus über diesen Abschnitt.
- Komm in Gottes Gegenwart zur Ruhe und höre seine Stimme.
- Diskutiert gemeinsam darüber.
Im vierten Jahrhundert lebte ein begabter Rhetorikprofessor in Mailand.
Seine Mutter versuchte ständig, ihn zum Christentum zu bekehren, aber er hatte beschlossen, einigen der heidnischen Philosophien seiner Zeit zu folgen. Glücklicherweise begann der Professor durch eine Reihe von Freundschaften das Christentum zu überdenken und kam mit der Zeit zur Überzeugung, dass es wahr ist.
Es gab nur ein Problem: Er war so sehr in sexuelle Sünde verstrickt, dass er es nicht schaffte, loszulassen und sich zu bekehren.
Der Professor versuchte, seinen Kampf zu vergessen, bis ihn eines Tages ein einfacher Christ namens Ponticianus aus geschäftlichen Gründen besuchte. Als er die Kopie der Paulusbriefe des Professors sah, erzählte Ponticianus, wie er zum katholischen Glauben gefunden hatte. Während sie sich unterhielten, wurde der Professor an seine eigenen Kämpfe erinnert und schämte sich, dass er, der viel klüger, erfolgreicher und berühmter war, nicht das schaffte, was sein einfacher Freund erreicht hatte: seine Sünden aufzugeben und ein Leben als Christ zu führen.
Nachdem er sich von Ponticianus verabschiedet hatte, ging der Professor in seinen Garten, um zu weinen. Er dachte über die Entscheidung nach, die vor ihm lag: Er konnte mit seinem Glauben im Ungewissen bleiben, mit dem Verstand glauben, aber Gott nicht in sein Herz lassen und sein bisheriges Leben beibehalten. Oder er konnte sein Leben umkrempeln und entschieden Christus nachfolgen.
Seine Gedanken begannen sich zu kreisen. Auf der einen Seite verhöhnte ihn seine Begierde: Er wusste, dass er seine sexuelle Sünde aufgeben musste, wenn er sich für Christus entschied. Andererseits begann auch das Leben in Keuschheit für ihn attraktiv zu werden. Er erinnerte sich an die vielen christlichen Männer und Frauen, die sich aus den Fängen der Begierde befreien konnten, weil Gott ihnen die Kraft gab zu tun, was sie aus eigener Kraft nicht tun konnten.
Während dieses inneren Kampfes hörte der Professor Stimmen von Kindern, die spielten und den Satz „Nimm und lies, nimm und lies!“ wiederholten. Die Worte der Kinder inspirierten ihn dazu, sein Buch mit den Paulusbriefen in die Hand zu nehmen und den ersten Abschnitt zu lesen, den er fand. Er las: „Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen” (Röm 13,13-14).
Ein Licht der Gewissheit durchflutete das Herz des Professors, und all seine Zweifel verschwanden. Er bereute seine Sünden, ließ sich taufen und wurde schließlich Priester und dann Bischof. Er wurde einer der größten Heiligen und Theologen, die die Kirche je gekannt hat: der heilige Augustinus von Hippo. In seiner Autobiografie „Die Bekenntnisse“ erzählt er seine Geschichte. Sie ist einer der meistgelesenen Bücher der Geschichte.
Diskussion 1: Was war deine erste Reaktion auf die Geschichte des heiligen Augustinus? Hast du den Eindruck, dass Menschen heute mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben?
Gott wird nie müde, uns zu vergeben; wir werden müde, seine Barm- herzigkeit zu suchen.
Papst Franziskus
UMKEHR
Die Umkehr, auch bekannt als Buße, ist ein zentraler Bestandteil im christlichen Leben. In der Heiligen Schrift, bedeutet das Wort „Buße“ (metanoia) „umkehren“ oder „zurückkehren“. Es geht um eine grundlegende Umkehr in unserem Leben, um die Abkehr von der Sünde und die Hinwendung zu Christus. Die Katholische Kirche erklärt dies folgendermaßen: „Innere Buße ist radikale Neuausrichtung des ganzen Lebens, Rückkehr, Umkehr zu Gott aus ganzem Herzen, Verzicht auf Sünde, Abwendung vom Bösen, verbunden mit einer Abneigung gegen die bösen Taten, die wir begangen haben“ (KKK 1431).
Die Buße ist notwendig, um in der rechten Beziehung zu Gott, unserem liebenden Vater und Schöpfer, zu bleiben. Die Sünde in unserem Herzen sollte uns großen Kummer bereiten, denn die Sünde trennt uns von Gott. Unsere Sünde motiviert uns zur Umkehr, damit wir zur Einheit mit ihm zurückkehren können.
Aber Reue ist kein einmaliger Akt. Sie ist eine ständige Gewohnheit für einen Jünger Jesu, der wachsen will. Die Bibel fordert uns auf: „Zerreißt eure Herzen“ (Joel 2,13). Das bedeutet, dass wir unser Herz aufreißen, hineinschauen und sehen müssen, was wirklich da ist. Dann müssen wir den Mut haben alles zu entfernen, was nicht in das Herz eines Christen gehört.
Dabei ist es unwesentlich, ob es sich wie beim Heiligen Augustinus um größere Sünden wie sexuelle Unreinheit handelt, oder um hunderte anderer kleiner Sünden, wie Groll, der Hang alles negativ zu sehen, Neid, Selbstbezogenheit, Mangel an Freundlichkeit oder Vertrauen, Stolz, Entmutigung, Zeitverschwendung oder anderes. Wir alle haben viele Sünden in unserem Herzen, die wir bereuen können!
Aber es gibt einige Dinge, die uns von echter Buße und Umkehr abhalten können. Schauen wir uns drei an.
Rationalisierung: Ich habe nichts zu bereuen.
Erstens denken wir vielleicht, dass es nicht viel zu bereuen gibt. In unserer relativistischen Kultur vermeiden wir oft darüber zu sprechen, was richtig oder falsch ist. Deshalb ist es leicht, auf unser eigenes Leben zu schauen und zu denken: „Ich bin ein guter Mensch. Ich habe keine furchtbaren Verbrechen begangen. Das tun die anderen. Ich kenne Menschen, die viel schlimmer sind als ich.“ Aber Gott beurteilt uns nicht, indem er uns mit anderen vergleicht. Wahre Jünger Jesu versuchen nicht, ihre Sünde zu rationalisieren. Wenn wir spüren, dass wir etwas falsch gemacht haben oder etwas tun, das gegen das verstößt, was Jesus und seine Kirche lehrt, ist der nächste Schritt die Reue: Wir geben unseren Fehler zu, vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und versuchen, unser Verhalten zu ändern, statt unsere Sünden zu rechtfertigen und uns selbst davon zu überzeugen, dass das, was wir tun, in Ordnung ist.
Die Angst umzukehren: Ich will mich nicht ändern!
Zweitens haben wir vielleicht Angst, bestimmte Sünden loszulassen. Augustinus wusste, dass das, was er tat, falsch war, aber er war nicht bereit seine schlechten Gewohnheiten aufzugeben. Vor seiner Bekehrung hat er sogar einmal gebetet: „Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit – aber nicht sofort!“(1). Auch wir können Angst davor haben, eine Sünde aufzugeben. Vielleicht weil wir uns Sorgen machen, was andere von uns denken werden oder weil wir befürchten, dass das Leben dann womöglich keinen Spaß mehr machen wird. Aber wir müssen erkennen, was Augustinus erkannte: Gott möchte unser Glück. Wenn wir Gottes Plan folgen, finden wir immer eine größere Freude, als wenn wir uns gegen seinen Plan entscheiden. Egal was es kostet. Die Freude des Evangeliums ist viel besser als unsere Sünden.
Verzweiflung: Mir kann nicht verziehen werden
Drittens können wir daran zweifeln, dass wir zur Umkehr fähig sind. Wie Augustinus können wir glauben, dass uns die Sünde so sehr beherrscht, dass wir unser Leben nicht mehr ändern können. Vielleicht zögern wir und reden uns ein, dass wir vielleicht später, wenn wir unser Leben besser in Ordnung gebracht haben, umkehren und an Gott glauben können. Aber Jesus hat eine andere Vorgehensweise. Wir müssen unser Leben nicht erst „in Ordnung bringen“, um in Freundschaft mit Jesus zu leben. Wir müssen unser Leben Jesus anvertrauen, damit er es in Ordnung bringen kann! Alleine schaffen wir es nicht. Aber mit seiner Hilfe können wir Vergebung erfahren, uns verändern und neu gemacht werden.
Manchmal schämen wir uns so sehr für unsere Sünden – sexuelle Sünden, Süchte, schlechte Angewohnheiten oder andere schwere Vergehen – dass wir glauben, dass Gott uns unmöglich vergeben kann. Das ist eine Lüge. Verglichen mit dem Meer der Barmherzigkeit Gottes sind unsere Sünden nämlich wie ein einziger Wassertropfen. Gottes Barmherzigkeit umhüllt unsere Sünden vollständig, egal wie schwerwiegend sie auch sein mögen. Er vergibt uns immer, wenn wir nur seine Barmherzigkeit suchen.
Diskussion 2: Wenn du dein Herz aufreißen und hineinschauen würdest, welche Schwäche würdet du dort finden, die dich am meisten von Gott trennt? Welche dieser drei Hindernisse – Rationalisierung, die Angst davor, dich zu ändern oder die Angst, dass deine Sünde zu groß sei – halten dich von echter Umkehr ab?
DIE BEICHTE
Ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur vollkommenen Buße und Umkehr ist die Beichte. Viele Katholiken erleben die Beichte als befreiende und lebensspendende Erfahrung. Statt an der Last ihrer Sünde und Schuld festzuhalten, können sie sie Gott übergeben, der ihnen nicht nur vergibt, sondern sie auch wie ein liebender Vater umarmt und sich genauso über ihre Heimkehr freut wie in Jesu Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Lk 15,11-32).
Manchen haben Angst vor der Beichte aufgrund eines falschen Verständnisses darüber, was die Beichte eigentlich ist. Wir zögern vielleicht, unsere Sünden zu bekennen, weil wir Angst davor haben, was der Priester denken könnte. Oder wir verstehen dieses Sakrament nicht und denken: „Warum einem Priester beichten? Ist nicht Gott derjenige, der mir vergibt?“. Oder aber wir sind einfach nur nervös und sind uns nicht sicher, wie man eine gute Beichte ablegt. Im Folgenden möchten wir auf diese Bedenken eingehen:
Das Sakrament der Beichte wurde von Christus als der Ort bestimmt, zu dem wir gehen sollen, um mit unseren Sünden fertig zu werden. Jesus sagte zu seinen Aposteln: „Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten“ (Joh 20, 22-23). So wie der Vater Jesus gesandt hat, um die Sünden der Welt zu vergeben, so sind auch seine Apostel (und ihre Nachfolger) dazu berufen, Sünden zu vergeben.
Aber warum hat Jesus es so eingerichtet, anstatt uns einfach zu Gott beten zu lassen? Warum einen Priester einbeziehen?
Zuerst können wir beobachten, dass Gott immer Menschen als Werkzeuge in seinem Heilsplan gebraucht. Ob es nun Mose war, der das Volk aus Ägypten herausführte oder der Prophet Elias, der ein Mädchen von den Toten auferweckte. Auch wenn sie gefallen sind und sündig waren, hat Gott durch seine menschlichen Leiter gewirkt. Deshalb sollte es uns nicht überraschen, wenn wir sehen, dass Gott immer noch seine Leiter, die Priester und Bischöfe, in sein Werk einbezieht. Betrachte den Priester in der Beichte als Gottes Werkzeug der Barmherzigkeit – oder, mit den Worten des heiligen Paulus, als „Gottes Mitarbeiter“ (1 Kor 3,9), beauftragt mit dem „Dienst der Versöhnung“ (2 Kor 5,19). Nicht der Priester vergibt uns unsere Sünden, sondern Jesus, der durch den Priester wirkt.
Ein zweiter Grund, warum die Beichte so wichtig ist, ist, dass die Heilige Schrift uns sagt, dass wir „einander unsere Sünden bekennen“ sollen (Jak 5,16). Wenn wir unsere Sünden einer anderen Person gegenüber in Worte fassen müssen, sind wir gezwungen, uns der Wahrheit über uns selbst auf einer viel tieferen Ebene zu stellen. Wir sprechen unsere Sünden aus und benennen sie. Und wir tun dies in der Gegenwart des Priesters als Vertreter Gottes hier auf Erden. Wir haben auch das Privileg, den Priester sagen zu hören: „Deine Sünden sind dir vergeben. Geh in Frieden.“ Es ist so wichtig, diese Worte zu hören und in dem Vertrauen bestärkt zu werden, dass Gott uns tatsächlich vergeben hat. Einige der tiefsten Momente in einer Freundschaft oder Ehe entstehen, wenn wir sagen: „Es tut mir leid“ und wir unseren Freund oder Partner sagen hören:
„Ich vergebe dir.“ Wie viel tiefer ist es, wenn wir die Worte „Es tut mir leid“ nicht nur in der Stille unseres Herzens aussprechen, sondern laut in der Gegenwart des Priesters als Vertreter Gottes? Und wie viel schöner ist es, wenn wir Christus durch den Priester zu uns sagen hören: „Ich spreche dich von allen deinen Sünden frei!“?
Ein dritter Grund, regelmäßig zur Beichte zu gehen, besteht darin, dass uns das Sakrament Gnade schenkt, um unsere Schwächen zu heilen und zu überwinden. Gott vergibt uns in der Beichte nicht nur unsere Sünden: Er geht unseren Sünden auf den Grund und heilt unsere tieferen Wunden. Dies ist ein weiterer Grund, warum wir versuchen sollten, regelmäßig, mindestens einmal im Monat, zur Beichte zu gehen.
Zuletzt sind manche Menschen einfach nervös, wenn sie zur Beichte gehen, oder sie wissen nicht, was sie tun sollen, wenn sie dort sind. Es gibt eine Vielzahl von Leitfäden für die Beichte; einige davon findest du im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“. Hab’ keine Angst, bei der Vorbereitung um Hilfe zu bitten. Freunde, erfahrene Christen oder auch ein Priester können und werden dir gerne dabei helfen.
Jesus möchte nicht, dass du in deiner Sünde stecken bleibst. Er hat einen großen Plan für dich. Lass dich nicht von deinen Sünden abhalten. Komm zu ihm in die Beichte und empfange Christi Vergebung, seine Heilung und seine Gnade, deine Schwächen zu überwinden.
Diskussion 3: Wie lange ist es her, dass du das letzte Mal zur Beichte gegangen bist? Hast du noch Vorbehalte der Beichte gegenüber? Nimm dir etwas Zeit und sprich mit jemanden darüber, wie du eine gute Beichte ablegen kannst und welche Schwierigkeiten du mit dem Empfang dieses Sakraments haben könntest.
Schäme dich der Sünde, nicht aber der Reue.
Hl. Johannes Chrysostomus
KONKRETE SCHRITTE
Falls du schon lange nicht mehr bei der Beichte warst, überlege, wie du dieses Sakrament bald empfangen kannst. Wann wird die Beichte in einer Pfarre in deiner Nähe angeboten? Wie kannst du dich vorbereiten? Du kannst dich auch direkt an einen Priester wenden, wenn du dich wohler fühlst, wenn du vorher mit ihm gesprochen hast. Du kannst auch einen Freund bitten, dir bei der Vorbereitung zu helfen und dich auf dem Weg zur Beichte zu begleiten.
Wenn du noch nicht regelmäßig zur Beichte gehst, nimm es dir mindestens einmal im Monat vor. Erkundige dich nach den Beichtzeiten in deiner Nähe und überlege dir, wo und wann du zur Beichte gehen wirst.
Suche dir außerdem einen guten Leitfaden zur Gewissenserforschung, der dir bei der Vorbereitung hilft. Im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“ in diesem Artikel findest du einige Vorschläge.
SCHLÜSSELBEGRIFFE
Bereuen: Das Wort „Buße“ (metanoia) bedeutet, dass wir umkehren, uns von der Sünde abwenden und Christus zuwenden.
Apostolische Autorität: Jesus hat seinen Aposteln die Vollmacht gegeben, Sünden zu vergeben, und diese Vollmacht wurde im Laufe der Jahrhunderte an ihre Nachfolger bis zu den heutigen Bischöfen und Priestern weitergegeben: „Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ (Joh 20,22-23)
Häufige Beichte: Uns werden nicht nur unsere Sünden vergeben, sondern wir erhalten auch Gnade, die uns hilft, unsere Schwächen zu überwinden, und die die Wunden der Sünden in unserem Leben heilt.
ZUSÄTZLICHE RESSOURCEN
KKK 1422-1498: „Das Sakrament der Buße und der Versöhnung“
Gott der Barmherzige: Der Weg zur Beichte / Lord Have Mercy: The Healing Power of Confession von Dr. Scott Hahn
Vom FOCUS Blog auf focusequip.org: „Confession Week (And Every Resource You’ll Need)“
Notizen
(1) Augustinus, Die Bekenntnisse, 8,7.
