Lectio Divina Gebet (optional)
- Lies Joh 1,35-42.
- Meditiere über die Worte.
- Rede mit Christus über diesen Abschnitt.
- Komm in Gottes Gegenwart zur Ruhe und höre seine Stimme.
- Diskutiert gemeinsam darüber.
TEIL EINS: GEWINNEN – AUFBAUEN – SENDEN
Anmerkung: Dieser Artikel besteht aus zwei Teilen: Gewinnen – Aufbauen – Senden und Die drei Haltungen eines missionarischen Jüngers. Er sollte in zwei (oder mehrere) Gespräche aufgeteilt werden.
Im frühen 16. Jh. lebten zwei Studenten, Peter und Franz, zusammen an der Universität von Paris.
An der Universität gab es Ausschweifungen – Schlägereien, Trunkenheit und sexuelles Fehlverhalten – sowohl unter den Studenten als auch unter den Lehrern. Peter und Franz hielten sich beide davon fern, aber mehr aus Angst als aus Frömmigkeit. Franz hoffte, durch seinen Adel ein vornehmes Leben in Luxus und Bequemlichkeit führen zu können. Peter hingegen wusste nicht so recht, was er tun wollte. Manchmal wollte er heiraten und Anwalt, Lehrer oder Arzt werden; dann wieder wollte er einfacher Priester oder Mönch sein.
Drei Jahre lang lebten Franz und Peter zusammen, als sich eines Tages ihr Leben völlig änderte. Ein 36-jähriger Mann namens Ignatius wurde ihr neuer Mitbewohner. Ignatius hatte schon ein sagenumwobenes Leben hinter sich. Er begann seine Karriere beim Militär auf der Suche nach weltlichem Ruhm und Wohlstand; eine Kanonenkugel traf jedoch sein Bein und fesselte ihn monatelang ans Bett. Da er nun sehr viel Zeit hatte, fing Ignatius an, die wenigen vorhandenen Bücher zu lesen: die Bibel und ein Buch über das Leben der Heiligen. Ihre Lektüre führte zu einem Bekehrungserlebnis und Ignatius widmete sein Leben fortan vollständig dem Gottesdienst.
Wie viele andere Studenten war Peter schnell von Ignatius’ Geschichte bewegt und teilte auch bald seinen Wunsch, Seelen für Jesus Christus zu gewinnen. Er wurde ein Jünger des ignatianischen Lebensweges und wollte seinem Orden beitreten. Franz hingegen spottete über Ignatius und Peter.
Drei Jahre lang investierte Ignatius in Franz. Er zeigte aufrichtiges Interesse an allem, was Franz tat. Ignatius ging zu Franz’ Vorlesungen, besorgte ihm Studenten, die er unterrichten konnte, und unterstützte ihn sogar mit Geld. Stell dir vor, wie viel Zeit sie als Mitbewohner miteinander verbrachten: beim Studieren für die Kurse, dem gemeinsamen Essen, bei Diskussionen bis tief in die Nacht und Ausflügen rund um die Stadt. Und doch widersetzte sich Franz den Einladungen von Ignatius, seinen Glauben zu vertiefen.
Einmal verließ Peter die Universität in den Ferien und ließ Franz und Ignatius zusammen zurück. Als Peter zurückkam, hatte sich sein Mitbewohner, den er seit sechs Jahren kannte, verändert. Franz hatte der Frage von Ignatius endlich Beachtung geschenkt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (siehe Mk 8,36).
Bald gründeten die drei Freunde einen neuen Orden: Die Gesellschaft Jesu, auch bekannt als die Jesuiten. Ignatius, den wir heute als Hl. Ignatius von Loyola kennen, wurde der oberste General. Peter, heute bekannt als Hl. Peter Faber, evangelisierte Deutschland, Spanien und Portugal. Franz, besser bekannt als Hl. Franz Xaver, wurde als Missionar nach Indien geschickt. Er taufte Hunderttausende in Asien und war den meisten Berichten zufolge der wirkmächtigste einzelne Missionar seit dem Hl. Paulus.
Diskussion 1: Was fällt dir an der Art auf, wie Ignatius Peter und Franz evangelisiert? Was lehrt uns diese Geschichte über die Evangelisierung?
DIE METHODE, DIE JESUS VORGELEBT HAT: GEWINNEN – AUFBAUEN – SENDEN
Im Hl. Ignatius sehen wir ein großartiges Beispiel der missionarischen Jüngerschaft. Franz wurde von einem weltlichen Mann in einen Heiligen verwandelt. Aber wie können du und ich dasselbe erreichen? Wie können wir anderen dabei helfen, Jesus Christus sowohl selbst zu kennen und zu lieben, als auch ihn mit der Welt zu teilen?
Die Kirche unterscheidet drei Phasen im Prozess des Weges des missionarischen Jüngers. Phasen, die wir Gewinnen, Aufbauen und Senden nennen. Diese Phasen trennen zwei Schlüsselmomente: Das „Ja” zu Jesus und dem Evangelium und die Annahme der Einladung zur missionarischen Nachfolge. In der Ausbildung von missionarischen Jüngern hat jede dieser Phasen ihre eigenen Ziele und Inhalte. Schauen wir sie uns im Einzelnen an, um zu lernen, wie man andere dabei begleiten kann, missionarische Jünger zu werden.
Anmerkung: Beim Lesen dieses Abschnittes kann auf die Fürbittliste auf der vorhergehenden Seite hingewiesen werden. Sie bietet eine grafische Übersicht des Weges eines missionarischen Jüngers. Dieses Werkzeug für das Gebet für andere und den gemeinsamen Weg der Mission wird in den einzelnen Artikeln des Abschnitts „Senden“ besprochen.
Gewinnen
Der erste Schritt in der Ausbildung missionarischer Jünger ist es, Menschen zu einer Bekehrung zu führen, einer lebensverändernden Begegnung mit Jesus Christus, in der sie der Sünde den Rücken kehren, ihr Leben Jesus dem Herrn übergeben und ihm als seine Jünger nachfolgen. Viele Menschen wissen vielleicht von Jesus und dem katholischen Glauben. Aber ein Jünger ist jemand, der Jesus persönlich kennt, und zwar im biblischen Sinn des Bundes, also einer engen, beständigen Freundschaft. Jesus informiert uns nicht nur über seine Lehre; er schlägt uns eine ganz neue Lebensweise vor – leben wie er und leben mit ihm im innersten Kern des Lebens.
Auf diesem Level machen wir Menschen mit der Person Jesu Christi und seiner erlösenden Botschaft des Evangeliums bekannt (siehe Artikel 1.0 – 1.1). Wir tun das vorrangig durch unser Zeugnis. In den Worten von Papst Paul VI.: „Die Verkündigung muss vor allem durch ein Zeugnis erfolgen.“(1) Unser Gebet, das Beispiel, das wir mit unserem Leben geben, und unsere aufrichtige Freundschaft, die wir mit anderen schließen, helfen dabei, Seelen zu Christus zu führen. Wichtiger als jedes Programm für Glaubensbildung, jede Ressource oder Studie ist das lebendige Zeugnis gläubiger Christen.
Das Evangelium
Aber unser lebendiges Zeugnis ist nicht genug. Nachdem wir Kontakt aufgenommen und eine Vertrauensbeziehung zu den Menschen, die wir begleiten, aufgebaut haben, teilen wir das Evangelium mit Worten (siehe Artikel 2.0). Nach Paul VI. „gibt [es] keine wirkliche Evangelisierung, wenn nicht der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von Jesus von Nazareth, des Sohnes Gottes, verkündet werden.“(2) Diese Verkündigung kann verschiedene Formen annehmen. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Präsentation des Evangeliums selbst und eine ausdrückliche Einladung, „Ja“ zu Jesus zu sagen, am effektivsten sind.
Die Annahme des Evangeliums ist ein entscheidender Moment. Jesus selbst sagt: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus“ (Joh 17,3). Manchmal wollen wir anderen alle möglichen wundervollen Wahrheiten über den Glauben beibringen, aber wenn diesen Wahrheiten keine innere Bekehrung vorangeht, eine echte Verpflichtung für Christus, dringen sie oft nicht tief in die Herzen jener, die sie hören. Deshalb ist entscheidend, dass wir andere dazu einladen, sich Jesus hinzugeben und ihm die Herrschaft über das eigene Leben anzuvertrauen. Sobald jemand das Evangelium persönlich annimmt, können wir von der Verkündigung Christi in der Evangelisierung (dem, was wir „Gewinnen“-Phase nennen) dazu übergehen, bei der Entwicklung eines „Lebensprogramms“ zu helfen, das das eigene Festhalten an Christus vertieft (die sog. „Aufbauen“- Phase).(3)
Aufbauen
Sobald jemand sein Leben Christus hingegeben hat, ist es entscheidend, ihn im Glauben „aufzubauen“. Eine Art, wie wir das innerhalb von FOCUS machen, ist, die Leute gelegentlich zur weiterführenden Glaubensbildung einzuladen, entweder unter vier Augen oder in Gruppen. Diese Bildung zielt darauf ab, den Jüngern Jesu ein „Einüben des christlichen Lebens“(4) zu ermöglichen, einen persönlichen Weg, auf dem sie ihre Hingabe an Christus zu leben anfangen. So können wir weiter mit ihnen auf dem Weg der missionarischen Jüngerschaft unterwegs sein.
In den Worten von Paul VI.:
„Die Verkündigung erhält in der Tat ihre volle Dimension nur, wenn sie gehört, aufgenommen und angeeignet wird und in dem, der sie so annimmt, die Zustimmung des Herzens bewirkt. Zustimmung zu den Wahrheiten, die der Herr aus Barmherzigkeit geoffenbart hat, gewiss. Aber mehr noch, Zustimmung zu dem Lebensprogramm – dem eines nunmehr verwandelten Lebens –, das er vorlegt.“(5)
Dieses Lebensprogramm kann mit den vier wesentlichen Haltungen eines Jüngers zusammengefasst werden, die ganz am Anfang des Christentums stehen: Gebet, Gemeinschaft, sakramentales Leben und die Bildung in der Lehre Christi (siehe Apg 2,42) (siehe Artikel 3.0–3.5). Wenn Menschen diese vier Gewohnheiten eines Jüngers kultivieren, hilft es ihnen dabei, ihre Freundschaft mit Christus zu vertiefen. Durch diese Praktiken beginnen Jünger mehr mit dem Geist Christi zu denken und nehmen das Wesen Christi an. Das Ziel für sie ist es, mehr und mehr wie Jesus zu werden.
Aber wir reden nicht nur über diese Dinge. Wir repräsentieren auch das christliche Leben für sie und begleiten sie beim Leben dieser Grundgewohnheiten, indem wir mit ihnen beten, mit ihnen die Sakramente empfangen, mit ihnen den Armen dienen und ihnen mit der Zeit auch Gelegenheit geben, selbst andere in diesen Bereichen zu führen.
FACT und die Einladung zur missionarischen Nachfolge
Wenn wir andere im Glauben aufbauen, ist es auch wichtig, sie zur Annahme der Mission Christi hinzuführen: „Es ist undenkbar, dass ein Mensch das Wort Gottes annimmt und in das Reich eintritt, ohne auch von sich aus Zeugnis zu geben und dieses Wort zu verkünden.“(6) Die Einladung zur missionarischen Nachfolge ist eine ausdrückliche Einladung, sich an der kirchlichen Mission zur Evangelisierung zu beteiligen.
Natürlich sind alle Christen dazu berufen, missionarische Jünger zu werden. Aber diejenigen, die Christus und der Kirche treu sind, die ihre Zeit zur Verfügung stellen, deren Glauben ansteckend ist und die in ihren Herzen lernbereit bleiben, sind in der Lage, auf den Missionsauftrag von ganzem Herzen und effektiv zu antworten. Diese vier Qualitäten können mit dem Akronym FACT zusammengefasst werden. Schauen wir sie uns im Einzelnen an:
- Faithful – Treu. Ein missionarischer Jünger muss an erster Stelle ein treuer Jünger Jemand, der seine Freundschaft mit Jesus Christus leidenschaftlich lebt, die vier Haltungen eines Jüngers aus Apg 2,42 verwirklicht (Gebet, Gemeinschaft, die Sakramente und die Lehre der Apostel) und seine Vertrautheit mit Christus zu vertiefen sucht. Er ist Jesus auch in seiner moralischen Autorität treu und lebt ohne Tadel, weil er mehr von sich selbst als von anderen verlangt, besonders in Fragen der Keuschheit, Nüchternheit und Exzellenz (den „Großen Drei“). Er ist der Katholischen Kirche treu und glaubt an alle ihre Lehren.
- Available – Verfügbar. Ein missionarischer Jünger muss Zeit für die Menschen, die er führt, finden wollen. Er gibt Christus und der Mission, ihn zu teilen, Raum in seinem Terminplan. Verfügbar zu sein bedeutet nicht, dass er nicht vielbeschäftigt ist. Es bedeutet einfach, dass er Christus so stark verpflichtet ist, dass die Mission in seinem Leben Priorität hat.
- Contagious – Ansteckend. Er strahlt die Freude des Evangeliums aus – ebenso die Früchte des Geistes (Frieden, Freude, Geduld, Sanftmut, ) die andere zu Christus hinziehen (Gal 5,22f.). Er besitzt auch die grundlegende menschliche Bildung, die nötig ist, um andere zu leiten und zu inspirieren. Das bedeutet nicht, dass er extrovertiert, beliebt oder „cool“ sein muss. Seine Lebensweise macht das christliche Leben einfach attraktiv. Er will von sich selbst absehen und andere anziehen.
- Teachable – Lernbereit. Ein missionarischer Jünger will von anderen lernen – auch von dir, den anderen im Dienst, dem Pfarrer und den Pfarrangestellten. Er kennt in aller Bescheidenheit an, dass er nicht alles begriffen hat und will wachsen, lernen und Kritik annehmen.
Das sind die vier Schlüsselcharakteristika, nach denen wir in potenziellen Führungspersonen Ausschau halten sollen – jenen Menschen, denen wir die Einladung zur missionarischen Nachfolge präsentieren, damit sie die Welt als missionarische Jünger prägen (siehe Artikel 4.0 – 4.1).
Haben wir die vier FACT-Qualitäten in jemandem erkannt, ist es an der Zeit, die Einladung zur missionarischen Nachfolge (siehe Artikel 4.2) mit ihm zu teilen. Dies ist eine ausdrückliche Einladung, sich entschieden an der Evangelisierung der Kirche zu beteiligen. Oft verstehen Menschen nicht, wie groß der Bedarf an Evangelisierung ist, bis sie von jemandem darauf hingewiesen werden. Die Einladung zur missionarischen Nachfolge erlaubt dir, beides klar auszudrücken: sowohl die Wichtigkeit der Mission als auch die Rolle, die jeder von uns dabei spielen kann, Seelen zu Christus zu bringen und sie darin auszubilden, dasselbe für andere zu tun.
Senden
Sobald jemand die Einladung zur missionarischen Nachfolge angenommen hat, gehen wir über in die sogenannte „Sendungsphase“. Ein erfolgreicher missionarischer Jünger ist nicht jemand, der andere bloß im Glauben bildet. Tatsächlich haben wir unser Ziel, missionarische Jünger auszubilden, noch nicht erreicht, solange die Menschen, denen wir dienen, nicht selbst zu evangelisieren und ihre eigenen missionarischen Jünger auszubilden beginnen, die hinausgehen und andere evangelisieren. Nur dann gelingt der
„Kleine Weg der Evangelisierung“ wirklich.
Um das zu tun, müssen wir christliche Jünger in der Missionsarbeit trainieren. Paul VI. schreibt: „Für alle, die in der Evangelisierung arbeiten, ist eine gediegene Ausbildung unerlässlich.“(7) Wir haben bereits gesehen, wie Heilige wie Ignatius in der zuvor erzählten Geschichte die gute christliche Lehre nicht nur an ihre Jünger weitergegeben haben. Sie haben sie auch ausgesandt, um andere vertrauenswürdige Menschen zu finden, die sie trainieren können, dasselbe für andere zu tun (2 Tim 2,2). Anders gesagt: Der Hl. Ignatius hat seine Jünger trainiert, eigene missionarische Jünger auszubilden. Die Artikel im Abschnitt „Senden“ dieses Buches können dir bei deiner Arbeit helfen, andere in die Arbeit der missionarischen Jüngerschaft einzuführen (siehe Artikel 5.0 – 6.4).
Eine abschließende Anmerkung: Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Stufen aufeinander aufbauen – eine Stufe endet nicht vollständig, wenn eine andere beginnt. Wir sollten weiterhin Herzen für eine tiefere Liebe zu Christus gewinnen, während wir sie im Glauben bilden und wir sollten weiterhin gewinnen und aufbauen, während wir sie zur Mission aussenden. Wir alle müssen das Evangelium und den Missionsauftrag wiederholt im Zuge unseres Lebens bedenken, damit wir ihn tiefer annehmen und als missionarische Jünger wachsen können.
Diskussion 2: Bist du bereit, andere zu gewinnen, auszubilden und zu senden? Wer in deinem Leben bedarf des Gewinnens, der Ausbildung und der Sendung? Bist du bereit, die nötigen Opfer zu bringen, um anderen beim Wachsen zu helfen?
TEIL ZWEI: DIE DREI GRUNDHALTUNGEN EINES MISSIONARISCHEN JÜNGERS
Anmerkung: Dieser Artikel besteht aus zwei Teilen: Gewinnen – Aufbauen – Senden und Die Drei Grundhaltungen eines Missionarischen Jüngers. Er sollte in zwei (oder mehr) Gespräche aufgeteilt werden.
DREI GRUNDHALTUNGEN EINES MISSIONARISCHEN JÜNGERS
Wenn wir das Modell Gewinnen – Aufbauen – Senden effektiv leben wollen, dann brauchen wir Menschen, die völlig von Christus verwandelt sind. Menschen, die sich der Liebe zu ihm und anderen und dem Leben seiner Mission auf der Welt mit ganzem Herzen verschrieben haben. Im Laufe der Jahre haben wir bei FOCUS drei wesentliche Haltungen eines missionarischen Jüngers entdeckt, die uns besonders dabei helfen können, die Art von Menschen zu werden, die andere ermutigen und zu missionarischen Jüngern ausbilden können: Vertrautheit mit Gott (Divine Intimacy), authentische Beziehung (Authentic Friendship) sowie Überzeugtsein vom „Kleinen Weg der Evangelisierung“ (Clarity and Conviction for the Little Way of Evangelization).
Vertrautheit mit Gott
Als missionarische Jünger müssen wir, wie der Heilige Ignatius in der oben erzählten Geschichte, an erster Stelle eine tiefe, persönliche Freundschaft mit Christus pflegen. Evangelisierung ist vor allem die Arbeit Gottes, und sie wird in der Mission der Verkündigung des Evangeliums nur in dem Ausmaß fruchtbar werden, in dem wir selbst in einer festen und tiefen Verbindung mit ihm stehen. Das Evangelium sagt uns: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5).
Wie wachsen wir in unserer Einheit mit Christus? Durch die vier grundlegenden Schlüsselpraktiken, welche die ersten Jünger ausgezeichnet haben: Gebet, Gemeinschaft, die Sakramente und Bildung in den Lehren Christi (siehe Apg 2,42). Das sind die vier Hauptwege, auf denen wir unsere Begegnung mit Christus fortwährend erneuern und in der Vertrautheit mit Gott wachsen.
Authentische Beziehung
Bei der Ausbildung von missionarischen Jüngern reicht es nicht, die Botschaft des Evangeliums und die Lehren der Kirche weiterzugeben. Das ist wesentlich, aber wir müssen mehr tun. Wir müssen die Menschen, denen wir dienen, aufrichtig lieben, sie im Leben begleiten und uns persönlich für sie in echter Freundschaft einsetzen. Wir müssen eine authentische Beziehung zu ihnen knüpfen, die über normale „Freundschaften“ und Bekanntschaften hinausgeht. Denk daran, wie Ignatius in Franz und Peter investiert hat: Er hat mit ihnen gesprochen, Zeit mit ihnen verbracht, ihnen seine Aufmerksamkeit geschenkt. Wir müssen dasselbe mit den Menschen, die uns anvertraut sind, tun. Das beinhaltet natürlich religiöse Aktivitäten, aber wir müssen alle Teile ihres Lebens mit ihnen teilen, bis auf die Sünde.
Der Hl. Ignatius lebte die Worte aus 1 Thess 2,8: „So waren wir euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem Leben; denn ihr wart uns sehr lieb geworden.“
Sich persönlich in das Leben derer einzubringen, denen wir dienen, ist von Bedeutung – besonders außerhalb der formalen Settings wie der Bibelrunde. Ein wahrer missionarischer Jünger lernt die Leute kennen, denen er dient. Er wartet nicht passiv darauf, dass die Leute zu ihm kommen. Er geht zu ihnen, zeigt Interesse an ihren Interessen, besucht sie in ihrem Umfeld und ist ein wahrer Freund, nicht nur ein Kleingruppenleiter. Bedenke die Worte von Papst Franziskus: „Die evangelisierende Gemeinde stellt sich durch Werke und Gesten in das Alltagsleben der anderen… So haben die Evangelisierenden den
‚Geruch der Schafe‘, und diese hören auf ihre Stimme.“(8)
Überzeugtsein vom „Kleinen Weg der Evangelisierung“
Erinnere dich an die Geschichte des Hl. Ignatius. Von Anfang an arbeitete er mit Klarheit und Überzeugung für seine Mission der Evangelisierung. Er widmete Franz und Peter sein Leben. Er half ihnen zu wachsen. Von Anfang an behandelte er sie als Männer, die er dazu ausbilden konnte, die Welt zu missionieren.
In 2 Tim 2,2 mahnt Paulus Timotheus: „Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertraue zuverlässigen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren!“. Es ist nicht genug, Menschen das christliche Leben zu lehren; wir müssen sie auch lehren, andere das christliche Leben zu lehren. Wahre Jünger Jesu sind nicht nur fromm, sondern fruchtbar – fruchtbar in der Heiligkeit, fruchtbar in der Mission.
Wenn wir darauf abzielen, missionarische Jünger auszubilden, müssen wir überzeugt sein von der Wirksamkeit vom „Kleinen Weg der Evangelisierung“. (1) Ist uns die Weise klar, in der Jesus evangelisiert hat, also das, was wir die „Methode, die Jesus vorgelebt hat“ nennen? Die Methode, die Jesus vorgelebt hat, war nicht auf einen großen Weg konzentriert, mit einer großen Bühne und großem Publikum. Sie war ein kleiner Weg. Jesus machte sich auf, das Evangelium der ganzen Welt zu bringen, indem er sich zutiefst zwölf Männern widmete, sie im Sinne seines Reiches formte und sie ausbildete, dasselbe auch mit anderen zu tun. Und es war dieser Zugang, der die Welt veränderte. (2) Sind wir davon überzeugt, dass Jesu Beispiel für uns den besten Weg der Evangelisierung darstellt? Sind wir überzeugt, dass wir – wenn wir Jesu Weise der Evangelisierung nachahmen – am effektivsten in unserem Auftrag sein und helfen können, unsere Welt heute mit dem Evangelium Jesu umzugestalten? Sind wir überzeugt genug, um dieser Mission in unserem Leben Priorität zu geben, uns Zeit zu nehmen für diese dringende Aufgabe und unser Leben dafür einzusetzen? Sind wir überzeugt genug, dass seine Mission kein Job ist oder ein freiwilliger Zusatz, sondern das Herzstück unserer Identität als Jünger Jesu?
Diskussion 3: Wie können wir damit beginnen, diese drei Gewohnheiten effektiver zu leben?
KONKRETE SCHRITTE
Lass dich nicht von den vielen inspirierenden, aber herausfordernden Ideen überwältigen, die dieser Artikel bietet. Du wirst nicht alles davon morgen verwirklichen. Dennoch ist es wichtig, das große Ganze zu sehen, wenn wir am Anfang stehen. Seelen stehen auf dem Spiel!
Ein einfacher erster Schritt ist, einen Blick auf die Fürbittliste auf Seite 171 und den Leitfaden, der diesem Artikel folgt, zu werfen. Nimm dir dann einige Zeit zum Beten und frag den Herrn: Wem sollst du dich in deinem Leben widmen, während du diesen Artikel liest? Schreib die Namen dieser Menschen in deinem Leben in die entsprechenden Zeilen der Tabelle. In den nachfolgenden Artikeln lernst du mehr darüber, was es bedeutet, für diese Menschen zu beten und sie auf ihrem Weg der christlichen Jüngerschaft zu begleiten.
SCHLÜSSELKONZEPTE
Gewinnen – Aufbauen – Senden: Eine einfache Art, die drei grundsätzlichen Phasen zu beschreiben, die die Kirche als den Weg der christlichen Jüngerschaft betrachtet, der von der Bekehrung zu Christus („Gewinnen“) hin zur Vertiefung der Zugehörigkeit zu Christus und der Kirche („Aufbauen“) und der Evangelisierung anderer („Senden“) führt.
FACT – Faithful (zuverlässig), Available (verfügbar), Contagious (ansteckend), Teachable (lernfähig): Wenngleich alle Christen dazu berufen sind, missionarische Jünger zu werden, sind diejenigen, die Christus und der Kirche zuverlässig dienen, die zeitlich verfügbar, ansteckend in ihrem Glauben und gelehrig in ihrem Herzen sind, bereit, dem Missionsauftrag mit ganzem Herzen und effektiv zu folgen.
Drei Haltungen eines missionarischen Jüngers: Vertrautheit mit Gott, authentische Beziehung, Überzeugtsein vom „Kleinen Weg der Evangelisierung“.
ZUSÄTZLICHE RESSOURCEN
Making Missionary Disciples von Curtis Martin
SLS18 Talk auf focusequip.org: „The Method Modeled by the Master“ von Curtis Martin
Forming Intentional Disciples: The Path to Knowing and Following Jesus von Sherry Weddell
Notizen
(1) Paul VI., Evangelii Nuntiandi, abgerufen am 14. Juni 2021, Vatican.va, 21.
(2) Ebd., 22.
(3) Ebd., 23.
(4) Kongregation für den Klerus, Allgemeines Direktorium für die Katechese, abgerufen am 14. Juni 2021, Vatican.va, 56.
(5) Paul VI., Evangelii Nuntiandi, abgerufen am 14. Juni 2021, Vatican.va, 23.
(6) Ebd., 24.
(7) Ebd., 73.
(8) Franziskus, Evangelii Gaudium, abgerufen am 14. Juni 2021, Vatican.va, 24.
