Lectio Divina Gebet (optional)
- Lies Johannes 6,53-69.
- Meditiere über die Worte.
- Rede mit Christus über diesen Abschnitt.
- Komm in Gottes Gegenwart zur Ruhe und höre seine Stimme.
- Diskutiert gemeinsam darüber.
Kennst du den heldenhaftesten Moment des heiligen Petrus?
Es war nicht der Moment,, als er seine Fischernetze fallen ließ, um Jesus zu folgen. Es war auch nicht, als er Jesus als den Messias erkannte und die Schlüssel zum Königreich erhielt. Es war eine weniger bekannte Szene, in der Jesus etwas Umstrittenes lehrte.
Die begeisterte Menge hatte Jesus um ein Zeichen gebeten – wie das Manna, das Mose den Israeliten in der Wüste gab. Daraufhin erzählte Jesus ihnen von einer größeren Speise, die er ihnen anbieten würde: seinen eigenen Leib und sein eigenes Blut in der Eucharistie. „Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“ (Joh 6,53-54).
Aber sie konnten diese Lehre über die Eucharistie nicht fassen. Viele in der Menge lehnten Jesus daraufhin ab und sagten, „Wie kann dieser Mensch uns sein Fleisch zu essen geben? “ (Joh 6,52). Sogar seine eigenen Jünger hatten Schwierigkeiten und sagten: „Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ (Joh 6,60). Einige dieser Jünger lehnten Jesus an diesem Tag ab und verließen ihn.
Jesus wandte sich an die zwölf Apostel und fragte: „Wollt ihr auch weggehen?“
Da kam der heldenhafte Moment des Petrus. Er antwortete: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,68-69).
Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.
Lk 10,16
Wir sollten bedenken, dass Petrus nicht sagte: „Jesus, ich folge dir, denn diese Lehre leuchtet mir völlig ein.“ Petrus war wahrscheinlich genauso verwirrt wie jeder andere auch. Aber der Unterschied zwischen Petrus und der Menge ist, dass er Jesus vertraut und bei ihm bleibt, während die anderen weglaufen.
Diskussion 1: Was fällt dir an der Antwort von Petrus auf? Was lehrt dich das über die Nachfolge Jesu?
IM GLAUBEN FÜHREN
Wenn wir eine christliche Führungsposition innehaben, sollten die Menschen nicht uns, sondern Jesus Christus nachfolgen. Und das bringt eine enorme Verantwortung mit sich, weil unsere Lehre nicht unsere eigene ist. Wir sind Verkünder des Evangeliums, „Botschafter für Christus“ (2 Kor 5,20) und Zeugen der von ihm offenbarten Wahrheit. Als Vertreter Jesu müssen wir darauf achten, die von Jesus geoffenbarte Wahrheit treu weiterzugeben, und unter keinen Umständen Ideen weiterzugeben, die im Widerspruch zu den Lehren seiner Kirche stehen.
Schließlich hat Jesus selbst die Kirche gegründet, damit alle Menschen— egal in welcher Zeit sie leben—ihn und seinen Plan für unser Leben kennenlernen. Deshalb gab er seinen Aposteln die Vollmacht, in seinem Namen zu lehren. Er sagte zu ihnen: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“ (Mt 10,40). Dieselbe Autorität wurde an die Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, durch die Jahrhunderte hindurch bis heute weitergegeben.
Nimm dir jetzt einen Moment Zeit und überlege, was das bedeutet: Wer die Lehren der Apostel annimmt, nimmt Jesus an. In dem Maße, in dem wir die Lehren der Apostel (und ihrer Nachfolger) wissentlich ablehnen, distanzieren wir uns auch von Jesus. Deshalb ist es für christliche Leiter absolut entscheidend, dass sie das depositum fidei, das hinterlegte Glaubensgut, treu bewahren – dass sie nicht einen „selbstgemachten Glauben“ weitergeben, der auf unseren eigenen Meinungen oder den Launen der Welt basiert (vgl. 2 Tim 3,8), sondern den wahren Glauben von Jesus und der katholischen Kirche.
Das wird nicht immer einfach sein. Jesus selbst erlebte regelmäßig Uneinigkeit und Widerstand gegen seine Lehre. Wir leben in einer Welt, die Gottes Wahrheit über das menschliche Leben, die Liebe, Sexualität, Ehe, die Armen und die Würde eines jeden Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft, Religion oder Weltanschauung, oft nicht akzeptiert. Dies stellt uns vor die Entscheidung: Werden wir für die Wahrheit einstehen, wenn die Lehre Christi unpopulär ist oder – noch schlimmer – als altmodisch, unmöglich, verurteilend oder sogar böse bezeichnet wird? Oder werden wir unseren Herrn Jesus Christus verleugnen?
Der heilige Paulus warnte vor Zeiten, die den unseren nicht unähnlich sind. Er betonte, dass es in einer solchen Zeit der Verwirrung in Lehre und Moral die wichtigste Aufgabe für christliche Leiter ist, festzuhalten und die Wahrheit treu weiterzugeben:
Verkünde das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen … Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Begierden Lehrer sucht, um sich die Ohren zu kitzeln; und man wird von der Wahrheit das Ohr abwenden, sich dagegen Fabeleien zuwenden. Du aber sei in allem nüchtern … verrichte dein Werk als Verkünder des Evangeliums, erfülle treu deinen Dienst! (2 Tim 4,2-5)
Kurz gesagt können wir keine „Speisekarten-Katholiken“ sein. Wenn wir essen gehen, können wir uns nach der Speisekarte aussuchen, welches Essen wir auf unseren Teller serviert bekommen. Aber mit den Lehren Christi und seiner Kirche können wir das nicht tun. Wir können uns nicht aussuchen, welche katholischen Lehren wir befolgen und an andere weitergeben wollen und welche nicht. Unsere Lehre ist nicht unsere eigene. Wir repräsentieren Christus. Selbst wenn diese Lehren uns herausfordern oder wenn die Welt um uns herum sie ablehnt, müssen wir Jesus treu bleiben.
Diskussion 2: Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass du ein Vertreter und Repräsentant Christi bist? Hast du dich dieser Verantwortung gestellt, indem du die Lehren Jesu und seiner Kirche angenommen hast? Hast du schon einmal erlebt, wie die Lehre Jesu mit den Ideen und Meinungen der Welt in Konflikt geraten ist? Woran ist das sichtbar geworden?
SCHWIERIGKEITEN VS. ZWEIFEL
Was aber, wenn wir noch Fragen über den katholischen Glauben und die Lehre der Kirche haben? Das können Fragen zur unbefleckten Empfängnis Mariens, zur Realpräsenz Jesu in der Eucharistie, zur Empfängnisverhütung, zur gleichgeschlechtlichen Ehe oder zur Liebe für die Armen sein. Können wir dann immer noch Nachfolger Jesu und treue Vertreter von ihm und seiner Kirche sein?
Hier müssen wir den Unterschied zwischen Schwierigkeiten und Zweifeln verstehen.
Schwierigkeiten sind die Probleme, die wir beim Verständnis eines bestimmten Aspekts des katholischen Glaubens haben. Wenn wir mit Fragen über eine bestimmte katholische Lehre konfrontiert werden, fragt sich ein Teil von uns: „Ist das richtig? Kann das wahr sein?“. Aber gleichzeitig vertrauen wir Jesus und der Kirche mehr als uns selbst und sind daher bereit diese Lehre anzunehmen. Wie Petrus, als er mit der verblüffenden Lehre Christi über die Eucharistie konfrontiert wurde, verstehen wir einen Aspekt des katholischen Glaubens vielleicht nicht ganz, aber wir nehmen ihn trotzdem in Vertrauen an, weil wir an Jesus glauben und seiner Kirche vertrauen. Wenn Jesus vor uns stehen würde, wenn wir diese Schwierigkeiten haben, würden auch wir sagen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6, 68-69). Der heilige Kardinal John Henry Newman sagte einmal: „Zehntausend Schwierigkeiten machen keinen einzigen Zweifel aus“ (KKK 157).
Zweifel ist jedoch etwas anderes. Er ist letztlich ein Mangel an Vertrauen gegenüber Jesus und in die von ihm gegründete Kirche. Wenn jemand zweifelt, weigert er sich zu glauben, was offenbart wurde– so wie der
„zweifelnde Thomas“, der Apostel, der sich eine Woche lang weigerte, an den auferstandenen Christus zu glauben oder die Menschenmenge, die Jesu Lehre über die Eucharistie ablehnte und sich von ihm abwandte. Wenn wir uns den Lehren Jesu, wie sie von der Katholischen Kirche überliefert wurden, widersetzen, untergraben wir unsere Rolle als Christen. Wir sind dann keine wahren Botschafter Jesu. Wir stellen unsere eigenen Ideen als weiser dar als das, was Jesus gelehrt hat, und richten großen Schaden an, indem wir die Menschen, denen wir dienen, in die Irre führen.
Diskussion 3: Hast du irgendwelche Schwierigkeiten oder Zweifel? Gibt es Lehren der Kirche, mit denen du kämpfst? Wie kannst du darin wachsen, diese Lehren von ganzem Herzen anzunehmen?
IM GLAUBEN WACHSEN
Auch wenn wir mit Schwierigkeiten ringen, gibt es einen Weg nach vorn. Zu glauben bedeutet nicht, blind das zu akzeptieren, was wir nicht verstehen. Vielmehr sollte ein Gläubiger danach streben, im Verständnis zu wachsen.
Der Katechismus sagt: „Wer wirklich glaubt, sucht den, in den er seinen Glauben setzt, besser zu erkennen und das von ihm Geoffenbarte besser zu verstehen. Eine tiefere Erkenntnis wiederum wird einen stärkeren, immer mehr von Liebe beseelten Glauben hervorrufen“ (KKK 158). Der heilige Augustinus hat dies gut beschrieben, als er erklärte: „Ich glaube, um zu verstehen, und ich verstehe, um besser zu glauben“ (KKK 158). Die Vertiefung unseres Verstehens schränkt unsere Freiheit nicht ein, sondern ermöglicht uns in der Freiheit zu wachsen und Jesus unser „Ja“ zu geben.
Während du dich darauf vorbereitest, Christus als Leiter zu dienen und im Verständnis des Glaubens zu wachsen, kannst du deinen Glauben an Jesus und die Lehren der Kirche bekräftigen und vertiefen, indem du ein Gebet namens „Akt des Glaubens“ betest. Egal ob du dir in deinen Glaubensüberzeugungen sicher bist oder viele Fragen hast – dieser
„Akt des Glaubens“ hilft dir, deinen Glauben an Gott zu bezeugen und auszudrücken, dass du bereit bist, darauf zu vertrauen, dass die Kirche die Wahrheit lehrt. Viele Heilige und einfache Christen haben Kraft in einem Akt des Glaubens wie diesem gefunden:
O mein Gott, ich glaube fest daran, dass Du ein Gott in drei göttlichen Personen bist, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ich glaube, dass Dein göttlicher Sohn Mensch geworden und für unsere Sünden gestorben ist, und dass er kommen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten. Ich glaube an diese und alle Wahrheiten, die die heilige Katholische Kirche lehrt, denn in ihrer Offenbarung kannst Du Dich und uns nicht täuschen. Amen.
Diskussion 4: Möchtest du jetzt einen Akt des Glaubens als ein Bekenntnis deines Glaubens an Jesus und seine Kirche sprechen?
KONKRETE SCHRITTE
Wenn du derzeit an bestimmten Lehren der Kirche zweifelst, ist es an der Zeit, diese Dinge zu diskutieren. Wenn du bereits alle Lehren Jesu und seiner Kirche akzeptierst, nimm dir einen Moment Zeit und schau dir einige der Lehren an, die du nicht gut verstehst. Mache dir zwei Listen. Auf die erste Liste schreibst du einige Lehren, die du nicht verstehst oder die zu glauben dir schwerfällt. Für die zweite überlege dir einige Lehren, an die du zwar glaubst, aber nur schwer jemand anderem erklären kannst. Mache dir dann einen Plan. Wie kannst du im Verständnis dieser Lehren wachsen?
SCHLÜSSELBEGRIFFE
Apostolische Autorität: Jesus gab seinen Aposteln die Vollmacht zu lehren: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat“ (Lk 10,16). Dieselbe Autorität wurde an die Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, durch die Jahrhunderte hindurch bis heute weitergegeben.
Botschafter für Christus: Als Mitglieder des Reiches Gottes sind wir Repräsentanten des Königs und müssen seine Lehren treu bezeugen (2 Kor 5,20).
Schwierigkeiten vs. Zweifel: Schwierigkeiten sind die Herausforderungen, die wir beim Verstehen eines bestimmten Aspekts des Katholischen Glaubens haben. Zweifel zeigen einen Mangel an Vertrauen in Jesus und die von ihm gegründete Kirche.
ZUSÄTZLICHE RESSOURCEN
Why We’re Catholic von Trent Horn KKK 142–165: „Ich glaube“
KKK 74–95: „Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung“
Fides et Ratio vom Hl. Papst John Paul II
SLS20 Talk auf focusequip.org: „Leading from a Catholic Worldview” von Helen Alvaré
