Die Lehre der Apostel - Der Kampf um deine Gedanken

Lectio Divina Gebet (optional)

  1. Lies Sprichwörter 8,3-11.
  2. Meditiere über die Worte.
  3. Rede mit Christus über diesen Abschnitt.
  4. Komm in Gottes Gegenwart zur Ruhe und höre seine Stimme.
  5. Diskutiert gemeinsam darüber.

Ein Gespräch zwischen Jesus und Pontius Pilatus am Karfreitag zeigt zwei unterschiedliche Arten, die Wirklichkeit zu sehen.

Jesus von Nazareth sagt, er sei gekommen, um die Wahrheit zu bezeugen (Joh 18,37). Pilatus antwortet sarkastisch: „Was ist Wahrheit?“ (Joh 18,38).

Die Idee der Wahrheit – einer Wahrheit, die für alle gilt, die aufzeigt, was richtig und was falsch ist, und die den Weg zum menschlichen Glück erhellt – war für Pilatus nicht von Belang. Pilatus wusste, dass Jesus unschuldig war und dass die jüdischen Autoritäten ihn aus Neid beschuldigten (Mt 27,18).

Aber die Wahrheit über Jesu Unschuld spielte keine Rolle. Pilatus hatte

„seine eigene Wahrheit“: Er wollte seine Karriere retten. Die jüdischen Führer drohten ihm und sagten: „Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers“ (Joh 19,12). Pilatus befürchtete einen Aufstand und er musste seinen Ruf beim Kaiser schützen. Um seine eigenen Interessen durchzusetzen, versuchte er die Menge zu beschwichtigen und ließ einen unschuldigen Mann kreuzigen.

Ohne die Wahrheit als Kompass treffen wir unsere Entscheidungen auf der Grundlage von Ängsten, Leidenschaften, Emotionen und Launen. Wir tun, was wir wollen, ohne die Frage nach der Wahrheit zu stellen – ohne zu fragen, ob das, was wir wollen, gut ist oder ob es uns zu dauerhaftem Glück verhilft und uns immer mehr zu der Person werden lässt, die wir werden wollen.

Pilatus‘ Lebensphilosophie nach dem Motto „Was ist Wahrheit?“ mag in unserer modernen Welt für einige attraktiv sein, aber wir müssen uns daran erinnern, dass die Wahrheit keine abstrakte Idee ist. Die Wahrheit ist eine Person, nämlich Jesus Christus: „In Jesus Christus hat sich die Wahrheit Gottes voll und ganz gezeigt“ (KKK 2466). Denn Jesus ist nicht nur einer der vielen Morallehrer der Welt; er ist Gott, der Mensch geworden ist. Er zeigt uns nicht einfach einen Weg zu Gott; er selbst ist der Weg. Und er offenbart nicht nur die Wahrheit über Gott; er ist die Wahrheit. Er kam in die Welt, um Zeugnis von der Wahrheit zu geben, damit wir wissen, wie wir in diesem Leben glücklich sein und für immer mit ihm im Himmel leben können. „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Joh 18,37).

Hier stellt sich also die entscheidende Frage, die sich jeder Christ stellen muss: Werden wir wirklich Jesus folgen, der „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14,6) und zulassen, dass seine Lehren unser Leben formen – oder werden wir in die Fußstapfen von Pilatus treten, der es vorzog, seine eigene „Wahrheit“ zu erfinden?

Diskussion 1: Ist dir Pilatus‘ „Was ist Wahrheit?“-Philosophie schon einmal begegnet? Wie zeigt sie sich heute in unserer modernen Kultur? Was bedeutet es zu sagen, dass Jesus die Wahrheit ist, und was bedeutet das für uns als Jünger?

GLEICHT EUCH NICHT DIESER WELT AN

Wenn Jesus die Wahrheit ist, verändert das unsere Sichtweise auf die gängigen Meinungen und Philosophien, denen wir in unserer Welt begegnen. Wie die frühen Christen, die in einer heidnischen Welt lebten, die ständig um ihre Aufmerksamkeit buhlte, müssen auch wir ständig darum kämpfen, wie wir die Wirklichkeit sehen: was Liebe ist, was uns glücklich macht, woher wir kommen, wohin wir gehen und was das Leben ausmacht.

Die heutige relativistische Kultur stellt sich gerne als neutral dar, offen gegenüber allen Standpunkten und voller Toleranz und Akzeptanz. Aber die Vorstellung „Was für dich gut ist, ist eben für dich gut, und was für mich gut ist, ist eben für mich gut“ ist in Wirklichkeit kein neutraler Wert. Es ist eine bestimmte Art, die Welt zu betrachten, die die objektive Wahrheit ablehnt und sich gegen Jesus als den Weg, die Wahrheit und das Leben stellt – und diese Sichtweise wird in der heutigen Welt unaufhörlich gefördert.

Bevor er Papst wurde, sagte Kardinal Ratzinger:

Einen klaren Glauben nach dem Credo der Kirche zu haben, wird oft als Fundamentalismus abgestempelt, wohingegen der Relativismus, der sich vom Windstoß irgendeiner Lehrmeinung hin und hertreiben lässt, als die heutzutage einzige zeitgemäße Haltung erscheint. Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten lässt.(1)

Wie also sollen wir als Christen darauf reagieren? Müssen wir diesem weltlichen Druck nachgeben? Betrachten wir den entscheidenden Rat, den der heilige Paulus den Christen im heidnischen Rom gab: „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ (Röm 12,2).

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Jon 14,6

Genau wie diese frühen Christen in Rom müssen wir uns dagegen wehren, dass wir uns „dieser Welt angleichen“. Vieles von dem, was uns die säkulare Kultur zu Themen wie Liebe, Erfolg, Schönheit, Glück, richtig und falsch vermittelt, ist nicht nur von einer Sichtweise geprägt, die den Glauben ablehnt, sondern untergräbt auch das, was Jesus über diese wichtigen Dinge offenbart. Wenn wir nicht achtsam sind, könnten wir uns dabei ertappen, dass wir der „Weisheit“ der Welt mehr vertrauen als der Wahrheit, die Jesus offenbart hat: „Es schadet ja niemandem.“, „Jeder tut es.“, „Wenn wir uns wirklich lieben, muss es in Ordnung sein.“, „Für mich persönlich ist das nicht richtig.“, „Es ist ja nur ein Film.“ und so weiter.

Als Jünger sind wir aufgerufen, in der Wahrheit zu leben. Statt uns den verschiedenen Philosophien unserer Zeit hinzugeben, statt uns von der Welt sagen zu lassen, was wir denken sollen, statt mit dem Strom der öffentlichen Meinung zu schwimmen, fordert Jesus uns auf, „unser Denken zu erneuern“. Dabei handelt es sich nicht nur um eine theoretische Angelegenheit. Unsere Einstellung hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf unser Leben. Was wir über das Leben denken – darüber wer wir sind, wofür wir geschaffen sind, was Liebe ist und wie man glücklich wird – prägt uns und formt uns. Ein Leben in der Wahrheit zu leben, macht glücklich und erfüllt uns. Die Wahrheit macht uns tatsächlich frei (Joh 8,32).

Diskussion 2: In wie fern bist du schon in Versuchung geraten, den Vorstellungen der Welt über Liebe, Erfolg, Schönheit, Glück, oder richtig und falsch Glauben zu schenken? Wie kannst du dagegen ankämpfen, dich „dieser Welt anzugleichen“?

UNSER DENKEN ERNEUERN

Wie können wir in Anbetracht der Versuchung, uns der Welt anzupassen, den Rat des heiligen Paulus befolgen und „uns verwandeln lassen durch die Erneuerung unseres Denkens“? Es stehen uns viele Möglichkeiten zur Verfügung. Schauen wir uns drei davon an, die für jeden Jünger Jesu entscheidend sind:

Die Heilige Schrift

Erstens erneuert ein Jünger sein Denken durch regelmäßiges Lesen der Heiligen Schrift. Die Bibel ist kein gewöhnliches Buch: Sie ist von Gott inspiriert. Sie ist das Wort Gottes in der Sprache der Menschen. Diese göttlichen Worte, die vor Tausenden von Jahren geschrieben wurden, haben jahrhundertelang zu Menschen gesprochen, um auch heute noch die Herzen und Köpfe der Menschen zu berühren. Wenn wir die Bibel lesen, lesen wir nicht einen alten, irrelevanten Text, sondern wir begegnen Gott, der persönlich, in diesem Moment zu uns spricht. Schauen wir darauf, was die Kirche, die Heilige Schrift und die Heiligen über die Macht der Bibel in unserem Leben lehren:

„In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf.“(2)

„Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.“ (Hebr 4,12)

„Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen.“ (Hl. Hieronymus)

Das tägliche Lesen der Heiligen Schrift ist ein wichtiger Weg, um sich im Geist Christi formen zu lassen.

Die Lehre der Kirche

Zweitens erneuert ein Jünger seinen Geist und sein Denken durch die Begegnung mit dem, was Jesus durch die Katholische Kirche lehrt. Als menschgewordener Gott ist Jesus Christus die Fülle der göttlichen Offenbarung. Und er vertraute diese Offenbarung seinen engsten Freunden, den Aposteln, an, die sie ihrerseits ihren Nachfolgern (den Bischöfen) durch die Jahrhunderte hindurch anvertraut haben, damit alle Völker und alle Generationen die Wahrheit und den Weg zur Glückseligkeit kennen (Mt 16,18-19; 18,18; 28,18-20).

Was für ein großartiges Geschenk, das Jesus uns hinterlassen hat! Aber nehmen wir uns genug Zeit, um zu lernen, was Jesus uns durch die Katholische Kirche lehrt? Für einen Jünger sollte die Ausbildung und Formung im katholischen Glauben zu einer Priorität werden. Es gibt viele gute Programme, Einkehrtage, Bücher und Ressourcen über den katholischen Glauben. Aber ein grundlegender Ausgangspunkt ist der Katechismus der Katholischen Kirche. Der Katechismus ist die offizielle, moderne Zusammenfassung dessen, was die Apostel an uns weitergegeben haben. Wenn wir den Katechismus lesen, können wir sicher sein, dass wir auf die Wahrheit stoßen, die Gott durch die Kirche weitergegeben hat.

Was wir konsumieren

Drittens müssen wir darauf achten, was wir in unseren Kopf lassen: Was wir auf dem Bildschirm anschauen, was wir anhören, was wir lesen und was wir betrachten. Wir sind so gemacht, dass wir von dem, was wir in unseren Kopf lassen, verändert werden. Es gestaltet unsere Wahrnehmung der Realität und unsere Vorstellung vom Guten. Es beeinflusst unsere Sehnsüchte und unsere Ziele im Leben. Es ist wichtig, dass wir uns fragen: Reflektieren die Medien, die ich konsumiere, das Wahre, Gute und Schöne? Oder sehe ich mir Dinge an, die meinen Geist mit einer Vision von Leben, Schönheit, Liebe und Sexualität füllen, die Jesu‘ Lehre über diese Dinge widerspricht?

Durch die Erneuerung unseres Geistes verwandelt zu werden, bedeutet oft einen genauen Blick auf das zu werfen, was wir aufnehmen und uns ernsthaft zu fragen, ob es unseren Blick auf die Wirklichkeit stärkt oder behindert. Aber umgekehrt bedeutet es auch, Zeit zu finden, um unseren Geist mit guten Dingen wie der Bibel und dem Katechismus zu nähren. Dazu gibt es auch viele gute katholische Bücher, Quellen und Andachtstexte. Durch die regelmäßige Aufnahme von guten katholischen Inhalten kann unser Geist langsam dem Geist Christi angeglichen und unser Denken verwandelt werden. Deshalb ermahnt uns der heilige Paulus: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8). Stelle dir vor, wie anders wir denken und leben würden, wenn wir einen Teil der Musik, Medien und Shows, die ständig unsere Gedanken, Wünsche und Gefühle beeinflussen, weglassen würden und sie durch Bilder und Worte ersetzen, die unseren Geist dazu erheben, die Dinge Gottes zu betrachten.

Diskussion 3: Welchen Inhalten musst du mehr Raum in deinem Leben geben, um deinen Geist und deine Gedanken gut zu formen? Was musst du vielleicht einschränken oder loswerden?

KONKRETE SCHRITTE

Nimm dir zunächst ein wenig Zeit zur Reflexion:

  • Wo hat sich weltliches Denken in mein Leben eingeschlichen? Denke ich mit dem Geist Christi?
  • Weiß ich, was Christus lehrt und warum?
  • Lasse ich mich von Dingen formen, die wahr, gut und schön sind?
  • Konsumiere ich Medien, die mich dazu bringen, über Gott, mich selbst und die Welt richtig zu denken?
  • Welche Lehren der Kirche sind für mich schwer zu verstehen?

Plane nun, welche nächsten Schritte du gehen wirst, um dich in der Wahrheit Jesu Christi formen zu lassen:

  • Wie kann ich die Heilige Schrift und die Lehren der Kirche in mein Leben integrieren?
  • Welche Bücher werde ich anfangen zu lesen?
  • Welche Sendungen oder Unterhaltungsprogramme werde ich nicht mehr sehen oder hören?

Denke daran, klein zu beginnen, wenn du deine Pläne umsetzt. Du wirst nicht sehr erfolgreich sein, wenn du dir vornimmst, 500 Seiten am Tag zu lesen und 20 katholische Podcasts zu hören. Suche dir stattdessen einige wesentliche Veränderungen für deine Woche und versuche sie zur Gewohnheit zu machen.

SCHLÜSSELKONZEPTE

Römer 12,2: „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!”

Was wir in unseren Geist aufnehmen, verändert uns. Das, womit wir uns nähren, wird ein Teil von uns, prägt, wie wir die Realität sehen, was wir als gut empfinden, und beeinflusst unsere Wünsche. Deshalb wollen wir es zu einer Priorität machen, unseren Verstand mit dem Glauben zu formen.

Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

ZUSÄTZLICHE RESSOURCEN

Who Am I to Judge?: Responding to Relativism with Logic and Love von Dr. Edward Sri

Bible Basics for Catholics: A New Picture of Salvation History von John Bergsma

The Real Story von Edward Sri und Curtis Martin

Theology for Beginners von Frank Sheed

SLS20 Talk auf focusequip.org: „Day 4 Keynote: The Teaching of the Apostles “ von Dr. Jonathon Reyes


Notizen

(1) Joseph Ratzinger, Missa pro Eligendo Romano Pontifice, Predigt von Kardinal Joseph Ratzinger, 18. April 2005, abgerufen am 26.August 2021, Vatican.va.

(2) Dei Verbum, 21.